Donnerstag, 1. Dezember 2011

Social Media - sozial?

Ich dachte immer, das "social" im Begriff Social Media kommt eher von "to socialize" als von sozial. Dachte ich - bis gestern.

Bei Nathalie und auch bei der Kaltmamsell bin ich auf die Links gestoßen; bei Creezy, die den holy fruit salad! betreibt, habe ich dann selbst gebannt gelesen: Wohnungslos und Wohnungslos II.

Lest das! Creezy schreibt wunderbar auf den Punkt gebracht, was ihr gerade passiert ist. Die Reaktionen dazu sind interessant - klar, auch irgendwelche meist anonymen Leute dabei, die wenig Verständnis für alles außerhalb ihres eigenen Weltbildes haben, aber der Großteil praktisch und hilfsbereit veranlagt. Und es passiert etwas!

Es gibt einfach auch in Deutschland Menschen, die aus dem sozialen Netz rutschen und auf der Straße stehen! Das geht soooo schnell, vor allem und gerade auch für diejenigen, die etwas bewegen wollen, für Freigeister und Idealisten, die vielleicht freiberuflich tätig sind und hart arbeiten, die Stress mit Steuererklärungen und Krankenkassenbeiträgen haben, weil die Verwaltung einfach so viel, so undurchschaubar und so kompliziert ist, daneben noch das normale Leben, anderen helfen wollen, selbst irgendwie durchkommen, mit allem was dazu gehört - irgendwann wird es zu viel, die bislang unterdrückte Existenzangst nimmt mehr Raum ein, jede neue Rechnung und Mahnung frustriert, landet auf einem Stapel und irgendwann öffnet man die Briefe gar nicht mehr, sondern legt sie ungeöffnet auf diesen Stapel.

Und dann möchte man sich nur noch einkuscheln, wie mein Kater hier (das war der Pilzsammelkorb vor ein paar Wochen), und das ist der Zeitpunkt, in dem auch die nach außen hin Stärksten Hilfe zulassen sollten. Finde ich.

Daher finde ich es klasse, dass Creezy diesem Missstand ein Gesicht gibt. Ich wünsche ihr alles erdenklich Gute! Für andere in ähnlichen Situationen ist sie mit ihrer Aktion vielleicht ein Vorbild.

Dass es oft gerade diese wichtigen Pfeiler unserer Gesellschaft trifft, die intelligenten, gut ausgebildeten, hilfsbereiten, charmanten mit der Geber-Natur, halte ich für ein Armutszeugnis unserer Gesellschaft. Und es erfüllt mich mit großer Zufriedenheit und Optimismus, wenn ich sehe, wie viele Menschen des realen Lebens helfen wollen und auch tatsächlich etwas auf die Beine stellen. Nathalie hat das so schön formuliert: Das soziale Netzwerk schwappt "auch immer wieder ins reale Leben".

Den meisten von uns geht's mal gut und mal weniger gut. Creezy geht's gerade weniger gut. Oben rechts bei Creezy findet Ihr einen Spendenlink, damit wenigstens der materielle Stress kurzfristig etwas weniger wird. Oder Ihr kommentiert und macht ihr etwas Mut. Oder Ihr überlegt, wer in Eurem realen oder virtuellen Umkreis in letzter Zeit immer ruhiger wird, sich abkapselt und vielleicht ein Problem hat und einfach jemanden zum Reden oder Helfen braucht.

Ein Gruß von hier auch an die Freunde von Creezy, die sie aufgenommen haben und ihr helfen. Danke!

Die Zeiten fester Anstellungen mit lebenslanger Absicherung sind für die meisten vorbei. Wir müssen Wege finden, mit dieser Unsicherheit und Existenzangst besser umzugehen. Ich glaube daran, dass Unterstützen und Sich-helfen-Lassen ein Kreislauf ist, der nicht von Mensch zu Mensch, sondern in einem größeren Umfeld funktioniert. Das hilft dann allen, mit den Herausforderungen dieser Zeit besser klar zu kommen.

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