Donnerstag, 8. Dezember 2016

Linzer Torte

Wir retten was zu retten ist - auch heute wieder! Ihr kennt wahrscheinlich inzwischen die Aktion mit dem einprägsamen Logo und den typischen Rezepten, die eine Truppe von Foodbloggern ab und zu zeitgleich bloggt. Unser Ziel ist es zu zeigen, wie einfach es geht, klassische oder auch moderne Rezepte selber zu machen und nicht auf Supermarktware angewiesen zu sein.

Heute ist das Thema der Zeit angemessen "Weihnachtliche Kuchen", wobei wir da anfangs eher an Stollen, Panettone, usw. dachten, aber da wir so viele sind, ist es weiter gefasst. Ich habe mich für einen Weihnachtsklassiker entschieden, der unbedingt zur Sammlung gehört und teile daher heute ein traditionelles Rezept für Linzer Torte.

Linzer Torte

Die Linzer Torte wird Ende November oder Anfang Dezember gebacken und dann gut verpackt versteckt, damit sie bis Weihnachten durchziehen kann. So kenne ich das zumindest aus meiner Heimat. Und sie schmeckt auch wirklich besser, wenn sie ein paar Tage ruhen durfte.

Sie wurde übrigens nicht nach der malerischen Stadt Linz benannt, sondern heißt so, weil sie aus Linzer Masse, einer Art nussigem gewürzten Mürbeteig, besteht. Trotzdem ist sie in Österreich und auch in Südbaden, was ja früher zu Vorderösterreich gehörte, heimisch und auch in Süddeutschland weit verbreitet. Wichtig für die klassische Linzer Torte ist eine rote Konfitüre, typisch sind Ribiseln (Johannisbeeren) oder Himbeeren.

Zubereitung Linzer TorteWer etwas über die Geschichte der Linzer Torte lesen möchte, kann bei Wikipedia oder auf den Seiten des österreichischen Tourismusportals stöbern: Ob die Römer schon so gebacken haben, was das älteste bekannte Tortenrezept der Welt ist, wer sie erfunden haben möchte oder verbreitet hat, das steht da alles. Für mich läuft die Linzer Torte trotz ihres Namens übrigens unter Kuchen, da hier nichts nach dem Backen geschichtet wird.

Mein Rezept stammt aus dem Buch Backen - Die neue große Schule, über das ich schon einmal geschrieben und mit der damaligen Blogosphäre das Rezept für den perfekten Käsekuchen erörtert hatte. Im Gegensatz zu vielen neueren Rezepten enthält dieses Rezept keinen Kakao; der Kuchen bekommt seine Farbe durch ungeschälte frisch gemahlene Mandeln und die Gewürze.

Zubereitung Linzer Torte

Interessant finde ich eine weitere Zutat, die bei Mürbeteig ab und zu mit rein kommt: Gekochtes Eigelb!

Neben einem rohen kommen zwei gekochte Eidotter in den Teig. Damit wird der Teig sehr mürbe und besonders knusprig. Ich habe dafür zwei Eier in 10 Minuten hart gekocht, abgeschreckt, etwas abgekühlt, geschält und das Weiße abgepult. Das gekochte Eiweiß kann man während der Backaktion einfach naschen. Das gekochte Eigelb wird dann durch ein Sieb gestrichen. Mir dauerte das zu lang, ich habe einen Teil davon kurz in die Moulinette zu den Mandeln gegeben und pulverisieren lassen.

Zubereitung Linzer Torte

Der Teig schmeckt schon roh super und eignet sich prima zum Naschen. Er schmeckt nicht nur nach den Gewürzen, sondern hat auch was frisches an sich, durch den Zitronensaft und die Zitronenschale; auch das macht einen Unterschied zu vielen anderen Rezepten.

Die Himbeerkonfitüre habe ich frisch gekocht. Ich habe dafür 250 g Himbeeren und 125 g Gelierzucker zusammen köcheln lassen und in einer kleine Schüssel auf der Fensterbank abkühlen lassen.

Linzer Torte

Ausnahmsweise habe ich vegane Margarine statt Butter verwendet, aus Gründen. Mürbeteig gelingt mit Butter viel besser, da diese in der Kälte hart wird. Daher wurde meine Linzer Torte heute nicht optimal. Die Teigstreifen fürs Gitter ließen sich roh erst nach einer Extra-Kühlung (Minusgrade draußen sind manchmal praktisch!) auf den Kuchen bringen und sie sind beim Backen ein wenig auseinander gelaufen.

Aber das macht nicht wirklich was: Die Linzer Torte schmeckt zum Glück trotzdem. Vor allem, wenn sie noch ein paar Tage in Ruhe durchziehen darf. :-)


==========REZKONV-Rezept - RezkonvSuite v1.4
Titel: Linzer Torte
Kategorien: Backen, Kuchen, Mürbeteig, Österreich, Weihnachten
Menge: 1 Springform mit 24 cm Ø (26 cm geht auch)


Zutaten

H LINZER TEIG
100GrammUngeschälte Mandeln
3-5Nelken
2Hartgekochte Eigelb
150GrammKalte Butter; in Stückchen
150GrammMehl (Weizen- oder Dinkelmehl)
150GrammPuderzucker
1Eigelb
1Zitrone; Schale und Saft
1/3-1/2Teel.Zimt; gemahlen
1PriseSalz
H BELAG
300GrammHimbeerkonfitüre
1Eigelb; wer mag
H AUSSERDEM
Frischhaltefolie oder Gefrierbeutel
1Lineal; evtl.
Alufolie

Quelle

nach dem Buch "Backen: Die neue große Schule"
Zabert-Sandmann Verlag, Redaktion:
Martina Meuth, Sönke Knickrehm; leicht abgeändert
Erfasst *RK* 04.12.2016 von
Barbara Furthmüller

Zubereitung

Mandeln mit Nelken zusammen im Blitzhacker o.ä. fein mahlen. Die hartgekochten Eigelbe durch ein Sieb drücken oder kurz zusammen mit den Mandeln im Blitzhacker zershreddern.

Alle Zutaten für den Teig in eine Schüssel geben und kurz mit den Knethaken der Küchenmaschine oder auch mit Messer und Hand vermischen. Auf keinen Fall zu lange kneten. Den Teig zu einer festen Kugel formen und in Folie verpackt eine gute Stunde kalt stellen.

Den Backofen auf 175°C Ober-/Unterhitze, Umluft 160°C, Gas Stufe 2 vorheizen.

Zwei Drittel des Teigs ca. 3 mm dick ausrollen. Das geht ganz gut zwischen zwei Lagen Folie. Die Springform damit auskleiden und versuchen, dabei einen Rand von ca. 1 cm Höhe zu formen. Den Rest des Rands abschneiden.

Die Himbeerkonfitüre durchrühren und auf den Boden geben. Gleichmäßig verstreichen.

Den restlichen Teig länglich ausrollen und mit Hilfe eines Teigrädchens o.ä. und einem Lineal oder Augenmaß schmale Streifen schneiden, ca. 1/2 cm breit. Diese Teigstreifen gitterförmig auf dem mit Konfitüre bestrichenen Boden anordnen. Ich verwende zum Bugsieren der schmalen Streifen eine Palette. Falls die Teigstreifen zu weich sind, nochmal kurz in die Kälte stellen.

Wer mag, kann das Gitter mit Eigelb einpinseln (ich habe das vergessen).

Die Linzer Torte im vorgeheizten Ofen ca. 35-40 Minuten backen. Den Kuchen in der Form abkühlen lassen und erst nach dem völligen Auskühlen aus der Form lösen. Er muss erst festwerden, sonst bröselt er leicht auseinander.

Den Kuchen in Alufolie o.ä. verpackt einige Tage ruhen lassen, dann schmeckt er noch besser.
=====

Linzer Torte kann man schon seit vielen Jahren (nicht nur) in der Vorweihnachtszeit im Supermarkt kaufen. Neben Palmfett findet sich darin oft Carrageen, Glukosesirup, Ammoniumcarbonate, Calciumcitrate, Maltodextrin, modifizierte Stärke, usw. Mir persönlich sind diese gekauften Kuchen außerdem viel zu süß. Wenn ich sie selber backe, kann ich die Menge an süßenden Zutaten und auch an Gewürzen selbst steuern, das ist ideal.

Und selbstgebacken schmeckt die Linzer Torte noch einmal so gut!

Logo Wir retten was zu retten ist, Logo by Zorra Kochtopf

Hier die Links zu den anderen Rezepten, die heute online gehen:


Viel Spaß beim Nachbacken! :-)

Danke an die ganze Truppe und besonders an Sina und Susi für die Initiative und die Organisation. Die Rezepte werden später auch auf das Pinterest-Board und die Facebook-Seite der Aktion Wir retten was zu retten ist hochgeladen.

Kommentare:

  1. Linzer Torte - der Klassiker unter den weihnachtlichen Kuchen! - neben Stollen. Ein schönes Rezept.

    LG Andrea

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  2. Linzer Torten mag ich sehr!!!

    LG Wilma / Pane-Bistecca

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  3. So ist das eben bei Rettungsaktionen, wenn nicht genuegend Butter da ist. Kein Problem :-) Ein Perfektionist wuerde wohl den (oder ist es das?) Lineal wohl zu Hilfe nehmen, als Ingenieur wohl nicht.
    Ich werde die Linzertorte eventuell nachbacken, eher vermutlich.

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  4. Linzer Torte und so super wie die ausschaut. Ein wirklich gelungener Klassiker der einfach nicht fehlen darf. Lustig genau aus dem Buch habe ich mein Baumkuchen gemacht, ist wirklich ein tolles Buch mit klasse Rezepten.
    Liebe Grüße und noch eine schöne Vorweihnachtszeit.
    Ingrid

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  5. Da bin ich aus Linz und habe noch nie Linzertorte gebacken.
    Vielleicht probiere ich dein Rezept demnächst aus *.*

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  6. Linzer ist im Hause B inzwischen der häufigst gebackene Kuchen, ich glaub ich werd mal wieder... wir nehmen Hägenmark (sprich Hagebuttenmarmelade) als Füllung.

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  7. Der Klassiker! Wie hübsch die aussieht. Und Deine Bilder im Gras mag ich ja ohnehin. Wie schön, dass es Reif gab. Das passt besonders gut und macht Lust auf eine heiße Tasse Kaffee - und Linzer Torte!

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  8. Da hatten wir die gleiche Idee, trotzdem sind unsere Linzertorten sehr unterschiedlich! Dein Rezept hört sich jedenfalls sehr lecker an! Mit gekochtem Eigelb kenn ich das gar nicht! LG Valesa

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  9. Ich muß gestehen, ich kannte dieses Rezept noch nicht. Die Zubereitung klingt für mich sehr anspruchsvoll. Eine sehr festliche Torte. Muß ich auch mal probieren. Aber dieses Jahr schaffe ich das nicht mehr ;)
    Gruß Katrin

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  10. Du hast mir viel voraus, denn ich habe noch nie Linzer Torte gebacken. Dabei mag ich sie sehr gern. Ich nehme mir dein Rezept mit, denn das hat mich zum Nachmachen angeregt.

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  11. Mit gekochtem Ei! Interessanat, ich überlege grad ob ich das schon anders wo gelesen habe, fällt mir nicht ein jetzt.
    Meine Linzertorte, sollte ich je eine machen gg, muss mit Ribiselmarmelade sein, so kenn ich sie aus LInz, da habe ich köstliche gegessen.

    Liebe Grüße Sina

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  12. Über Facebook kam noch ein Kommentar, dass die Linzer Torte noch weihnachtlicher wirkt, wenn man statt des Gitters Sterne aussticht und auf dem Kuchen verteilt. Das ist eine schöne Variation und geht auch einfacher als das Gitter. Danke für den Tipp, Ute S. :-)

    @Andrea: Ja, neben Stollen echt ein weiterer Klassiker. Ich bin froh, dass mir das noch eingefallen ist. :-)

    @Wilma: Freut mich, dass Dir Linzer Torte auch schmeckt. Die ist auch wirklich lecker!

    @Houdini: Hihi, das mit der Butter ist zurzeit Programm, in ein paar Wochen gibt's wieder welche. Ich Perfektionist habe mit dem Lineal gearbeitet, aber nur zum Vor-Eindrücken, gerädelt habe ich dann frei Hand. Eine Thai-Variante der Linzer Torte würde mich interessieren!

    @Ingrid: Ich habe echt lange überlegt, was ich zu dem Thema backe. Erst war mir nach Stollen, aber mit der Linzer Torte bin ich glücklicher; und mein Mitgenießer umso mehr. Das Buch ist toll, ich stöbere viel zu selten darin.
    Liebe Grüße und Dir auch eine schöne Zeit!

    @Christina: Wahrscheinlich könnt Ihr in Linz an jeder Straßenecke supergute Linzer Torten kaufen, so dass Ihr keine selber backen müsst? - So geht's mir hier in Franken mit Sauerteigbrot und Lebkuchen und ein paar km weiter mit Stollen.

    @Anna: Echt, so oft backt Ihr den? Toll! Hägenmark liebe ich, das ist eine meiner Lieblings-Marmeladen. Passt sicher auch gut.

    @Der Reif im Gras passte perfekt dazu, das war wirklich Glück. Noch ruht der Großteil der Torte, aber eine heiße Tasse Kaffee gibt's dann sicher dazu, wenn wir sie essen.

    @Valesa: Ja, ich hab' Deine auch gesehen und werde später noch kommentieren! Walnüsse gibt's bei uns ja viele und mit den Cranberries ist Deiner die moderne Variante. Schön, dass wir beide innerhalb einer Aktion vereinen können!
    LG Barbara

    @Katrin: Pssst: Ich kenne auch jemanden, der meint, die Torte sei eines der kompliziertesten Backwerke dieser Welt - weil er das immer gehört hat. Dabei ist es eigentlich ganz einfach, nur ein wenig speziell mit dem gkochten Eigelb. Die Linzer Torte schmeckt übrigens auch nicht nur an Weihnachten. Ich mag sie aber lieber, wenn es kalt ist, also im Sommer wäre mir nicht danach. Vielleicht probierst Du sie ja mal aus.
    Lieben Gruß zurück Barbara

    @Susi: Das Backen ist ja nicht so ganz Deins, meintest Du mal, obwohl ich inzwischen schon gesehen habe, dass Du sehr wohl backen kannst. Vielleicht probierst Du es ja mal damit. Ich kann mir als Variation auch kleine Törtchen vorstellen.

    @Sin: Ja, ein alter Mürbeteig-Trick, dieses gekochte Eigelb... Ich mag sie auch sehr gerne mit Ribiselmarmelade, weil die mehr Säure hat und dadurch sehr gut mit dem nussigen gewürzten süßen Teig harmoniert. Himbeere wird schnell zu süß, wenn man nicht aufpasst. Aber da wir aus dem Garten so viele Himbeeren haben (und kaum Johannisbeeren) und ich die Marmelade mit wenig Zucker selbst gekocht habe, war das auch lecker. :-)

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  13. Liebe Barbara,
    ich finde deine Linzer Torte sieht extrem lecker aus. Das mit dem Eigelb kannte ich auch noch nicht. Ich hatte mich bei den Schritt-für-Schritt-Bildern schon gewundert, was du mit den gekochten Eiern willst :-) Gut zu wissen.

    Ich habe noch nie Linzer Torte gemacht. Ich mag das sehr, wenn Sachen noch durchziehen müssen und dann so richtig ihren Geschmack entfalten. Ist ja noch nicht zu spät, jetzt noch eine für Weihnachten zu machen, oder?!

    Liebe Grüße, Franzi

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    1. Liebe Franzi,
      jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt dafür; es reicht auch, wenn sie nur 3-4 Tage durchzieht. Die Großmuttergeneration hatte wahrscheinlich vor Weihnachten viel zu tun und hat daher 3-4 Wochen vorher gebacken, oder warum auch immer. Das ist glaube ich nicht nötig.
      Das mit dem Eigelb ist echt ein guter Trick für Mürbeteig, das findet man ab und zu bei Rezepten. Es ist halt etwas aufwändig, aber für mich war's okay, und ich konnte gleich zwei heiße Eiweiß naschen... ;-)
      Liebe Grüße, Barbara

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